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Rätselecke

Jorigen

Erforscher von Wundern
Underground Railroad

Eine Untergrundorganisation zur Bekämpfung der Sklaverei in Nordamerika. Sie war insbesondere in der Fluchthilfe tätig, hatte dazu Fluchthelfer und Schutzhäuser und ein geheimes Kommunikationsnetzwerk. Soweit möglich kümmerten sie sich auch um die Familienzusammenführung befreiter Sklaven.

Wow! Ich bin beeindruckt. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich erst noch mind. 1 Zaunpfahl auspacken müsste, ehe die Lösung gefunden wird.
:oops::D

Bei b) fehlt eigentlich nur 1 Info, die ich noch erwünscht hätte, da aber die übrigen 3 "must have" vorhanden sind, akzeptiere ich das. Was ich eigentlich noch erwartete war, dass viele geflohene Sklaven von der "Underground Railroad" bis nach Kanada durchgeschleust wurden, da besonders in der Zeit zwischen 1850 bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs aufgrund eines von den Sklavenhalterstaaten erzwungenen Gesetzes auch die sklavenlosen Staaten gezwungen wurde, geflohene ("entlaufende") Sklaven festzunehmen und zurückzuführen.

Zu der Kodesprache und den genannten Metaphern: Conducteur oder Stationmaster waren die aktiven Fluchthelfer/Schleuser, Passengers/Cargo waren die geflohenen Sklaven, als Train wurden ganze Sklavengruppen bezeichnet, die in die Freiheit gebracht wurden, die Engines waren die oftmals finanzstarken Unterstützer, die wie Maschinen meist durch Geldspenden die Organisation am Laufen hielten, und als Station/Terminal wurden die Schutzhäuser bezeichnet. Dann gab es auch noch u.a. den Eisenbahnbegriff Main Station oder Central Station, womit das (ggf. auch nur vorläufige) Endziel der Reise gemeint war.

Es gab 3 Gründe, weshalb sich "Underground Railroad" 1862 offiziell auflöste: Der erste Grund war, dass es aufgrund des ausgebrochenen Bürgerkriegs nochmals viel gefährlicher wurde, geflohene Sklaven in die Freiheit zu bringen, der 2. Grund war, dass viele Unterstützer und Fluchthelfer Soldaten wurden und somit Geld und zuverlässiges Personal knapp wurde, der 3. Grund war, dass sich ein wesentlicher Rand extrem radikalisierte und mit äußerster Waffengewalt vorging und dabei u.a. auch unschuldige Personen tötete. Damit wollte man aber nichts zu tun haben. Tatsächlich wirkte man aber in deutlich geringerem Maße noch bis zum Ende des Bürgerkriegs.

@Kapilo ...du bist mit dem nächsten Rätsel dran.
:cool:;)

Jorigen

P.S.: Ich melde mich damit bis morgen Abend oder Montag ab (mal schauen). Wir hatten heute bereits einen Kindergeburtstag, morgen folgt der 2. in Folge. Da sind wir ein bissl im Stress...
:D:D
 

beinster

Weltenbaum
An der Deutsch/Deutsche Grenze gab es auch "jahrenlang" schmuggel von Menschen über ein längeren zeitraum, da meinte mann auch zu Helfen . . aber halt nicht von 1780 an..
Und ob mann die grundgedanke und/oder den spezifischen namen kennt oder nicht. Der vorgang an sich mußte eigentlich jeder kennen. Gehört zu allgemein wissen das die in Nordamerika über den jahrhunderte im Norden kaum sklaven hatten. Es gibt diverse Filme die dieses thema haben.
 
Zuletzt bearbeitet:

SunrisePhilipp1

Weltenbaum
Ja. das ist klar, dass der Norden keine Sklaven hatte. Aber ich kenne die Organisation nun mal nicht. Also beinster, spiel dich bitte nicht so auf. Man kann nicht alles wissen und kennen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Jorigen

Erforscher von Wundern
Das mit der "Underground Railroad"-Organisation sollte man tatsächlich nur dann wissen, wenn man sich nicht nur mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg seit Ausbruch des Krieges beschäftigt hat, sondern auch mit der Vorgeschichte und der Entwicklung dorthin, die sich über einen Zeitraum von 3 Jahrzehnten hinzieht. Denn darin spielt die "UR" durchaus dann zumindest indirekt eine tragende Rolle, weil sie so erfolgreich war, dass die Wirtschaft im Süden erkennbaren Schaden erlitt.

Das Rätsel hier war aufgrund einiger Andeutungen und versteckter Schlagwörter durchaus lösbar gewesen. Die Kunst war es, diese zu finden und zusammenzuführen. So wie z.B. das in Anführungszeichen gesetzte "Untergrund-Organisation" und die "Eisenbahn". Auch war vermutlich jedem klar gewesen, dass es wohl um Sklaverei ging.

Kapilo hat das Rätsel ja super gelöst. Wenn nicht, hätte ich gestern Abend noch mit einem Tipp weitergeholfen...

Also alles gut @SunrisePhilipp1 und @beinster . Kein Grund für Streit.

Und damit nun bis morgen...

Grüße
Jorigen

P.S.: Übrigens...es gab nicht nur im Süden Sklaverhalterstaaten, sondern auch im Norden. Während des Bürgerkriegs kämpften somit auch nicht nur sklavenlose Staaten auf Seiten der "Yankees". Zudem ging es in dem Bürgerkrieg auch nicht einzig um die Sklaverei, die Gründe lagen sehr viel tiefer und waren vielfältiger. Abraham Lincoln nutzte die Sklaverei aber als Propagandainstrument national und international sehr erfolgreich aus und proklamierte Anfang 1863, also als es im Bürgerkrieg richtig schlecht für den Norden aussah, die Abschaffung der Sklaverei. Die entscheidende Wende im Krieg kam dann in 1863 bei der Schlacht von Gettyburg. Und die war so eng, dass es fast wie ein Wunder erscheint, dass die Potomac-Armee unter Meade überhaupt gegen die Nord-Virgina-Armee unter Lee gewann, was nur aufgrund nahezu unglaublich grober Fehler der Südstaatler passierte.
 
Zuletzt bearbeitet:

SunrisePhilipp1

Weltenbaum
Ich hab mich nicht intensiv mit dem Sezessionskrieg beschäftigt, es gibt leider meistens nur Literatur auf englisch. Danke für die Ausführungen, Jorigen. Wieder ein bisschen klüger :)
 

Kapilo

Starke Birke
Wer bin ich:

Ich bin keine reale Person. Meinen 100. Geburtstag werde ich noch in diesem Jahrzehnt feiern. Trotz meines hohen Alters ist mein Bekanntheitsgrad weltweit noch immer sehr hoch.
Eigentlich heiße ich Mortimer, aber gesucht ist der Name mit dem ich Kariere gemacht habe.
In Deutschland wurde erstmals 1930 in einem Kölner Printmedium etwas von mir veröffentlicht.
 

Alidona

Schüler der Zwerge
Wer bin ich:

Ich bin keine reale Person. Meinen 100. Geburtstag werde ich noch in diesem Jahrzehnt feiern. Trotz meines hohen Alters ist mein Bekanntheitsgrad weltweit noch immer sehr hoch.
Eigentlich heiße ich Mortimer, aber gesucht ist der Name mit dem ich Kariere gemacht habe.
In Deutschland wurde erstmals 1930 in einem Kölner Printmedium etwas von mir veröffentlicht.

Micky Mouse? :rolleyes:
 

Alidona

Schüler der Zwerge
richtig.

@Alidona Du bist dran mit dem nächsten Rätsel

Okay, mal was kniffliges aus meiner Heimat: Was ist ein Fetzle?

Ein Oberschwabe müsste diese Frage am Besten beantworten können. Der Rest muss halt googlen, dann aber bitte mit Hintergrundinformationen wie regionale Abstammung, was genau der Begriff beschreibt, warum das Dingens so heißt und welche "Geschwister" er hat. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:

Jorigen

Erforscher von Wundern
Okay, mal was kniffliges aus meiner Heimat: Was ist ein Fetzle?

Ein Oberschwabe müsste diese Frage am Besten beantworten können. Der Rest muss halt googlen, dann aber bitte mit Hintergrundinformationen wie regionale Abstammung, was genau der Begriff beschreibt, warum das Dingens so heißt und welche "Geschwister" er hat. ;)

Da zitiere ich mal von der Website der Narrenzunft Aulendorf e.V. (narrenzunftaulendorf.de)...

"Nach dem Ende des letzten Krieges, als wieder etwas Lebensfreude aufkam und Hoffnung auf eine bessere Zukunft keimte entstanden in Aulendorf die beiden Fasnetsfiguren „Fetzle“ und „Schnörkele“.
Das Aulendorfer „Fetzle“ ist ein typischer Schwabe. Ein Fetz ist ein Spitzbube, ein Fetzle die schwäbische Verkleinerung, also ist es nicht mehr so schlimm! Fetzen sind Lumpen, Stoffreste – Fetzle sind kleine Stoffreste die keinen Wert mehr haben und mit solchen ist das Häs aus Sackleinwand geschmückt Dem Fetzle sitzt der Schalk im Nacken und man kann ihm trotz allem Unfug nicht böse sein."

Auch das hier habe ich dazu gefunden (Fasnet in Aulendorf, auf der Website von: aulendorf.de...). Ist wesentlich ausführlicher und erwähnt auch eine Menge anderer Figuren:

"Fasnet in Aulendorf das ist ein örtliches Brauchtum, das seit Generationen in der Bevölkerung tief verwurzelt ist. Rund jede(r) Fünfte unserer erwachsenen Mitbürger/innen ist Mitglied der Narrenzunft und circa jede(r) Sechste besitzt eine Aulendorfer Originalmaske.
Dass die ersten Siedler auf unserer Gemarkung in der Jungsteinzeit schon Fasnet feierten ist unwahrscheinlich. Eher könnte man dies den Römern unterstellen, die während den ersten 2-3 Jahrhunderten unserer Zeitrechnung hier wohnten. Die Römer wurden von den Alemannen verjagt, die später den Franken weichen mussten. Die Welfen waren bei uns begütert. Welf VI verkaufte an Friedrich Barbarossa und Aulendorf (damals noch Alidorf genannt) war staufisch. Mit dem Ende von Konradin war auch dies vorbei. Die Siedlung fiel an das Reich. Das Reich war schwach, der Kaiser weg und kurze Zeit später tauchten in den Urkunden die ,,Domini de Alidorf", die Herren von Aulendorf, der Dorfadel auf. Durch friedliche Weise (Heirat) kamen die Edlen von Königsegg zur Herrschaft über den Ort. Sie wurden 1504 Freiherren, 1629 Grafen und jetzt kommen wir wieder zur Fasnet in Aulendorf, denn 50 Jahre später, 1679, bewilligten die Grafen von Königsegg ihren Lehnsleuten einen narrenfreien Tag.

Sie vergonnten unseren Vorfahren, EIN TAG VOR MITWOCHEN AN FASNACHTEN EIN FASNACHTSSPILL ZU TREIBEN. Dass dieses Spiel gottesfürchtig sein musste und dass mit dem Tod kein Scherz getrieben werden durfte steht auch in diesem Dekret. Das Wichtigste für uns Narren ist aber der Satz, dass geredet und gehandelt werden durfte, ALS SEIN DIE LEHMAN GANZ UNTER SICH IN MATERIA UND GEBREUCH. Die Redefreiheit der Narren war festgehalten und dieses Dekret wird in Aulendorf auch noch heute - nach über 300 Jahren! - befolgt.

Damals wie heute waren ,,Rätschen" (beiderlei Geschlechts!) glücklich, einen Tag zu haben, an dem sie ungestraft all das an den Mann/die Frau bringen konnten, was man das übrige Jahr über besser nicht sagte. Die Grundlagen für die Entwicklung unseres Maskenpaares ,,Tschore" und Rätsch waren gelegt. Unsere Aulendorfer ,,Rätsch" ist ein spitzzüngiges (altes?) Weib, das jahraus jahrein bekannte und geheime Begebenheiten sammelt, in ihrem Buch notiert und an der Fasnet austratscht. Besonders gerne hängt sie natürlich Dinge an die große Glocke, über die der Betroffene am liebsten hätten Gras wachsen lassen.
Eine große Hilfe bei diesem löblichen Tun ist der Begleiter unserer ,,Rätsch", der ,,Tschore". Er sagt seiner ,,Rätsch" noch ein, sollte diese tatsächlich mal was vergessen. Er sagt auch Dinge, die sich nicht mal die "Rätsch" getraut. Schlichtet aber auch treuherzig, wenn seine "Rätsch" zu weit gegangen ist. Eines beherzigen beide: Die Rede ist nur frei, wenn sie nicht verletzt oder beleidigt.

Hierher gehört jetzt auch die Erklärung des Aulendorfer Narrenrufs: "ha, ha, ha, jo was saischt au!" Man braucht sich doch nur vorzustellen, wie "Tschore" oder "Rätsch" eine fast unglaubliche Geschichte erzählen. Der Zuhörer lacht und sagt dann ganz ungläubig "jo was saischt au!"

Im Oberschwäbischen weit verbreitet ist die Narrenfigur der Hexe. Unsere Aulendorfer ,,Eckhexe" hat ihren Namen von der ältesten Wohnstraße, der Eckstraße. Die ,,Eckhexen" haben die Aufgabe, neben dem Winter auch alles Störende, allen Hass, während der Fasnet und möglichst auch darüber hinaus, hinwegzufegen. Der Auftrag, den sie vom Burggrafen bei der Maskenbeschwörung erhalten, lautet ja auch: "Fegt wie die Windsbraut durch die Lüfte, hin und her, her und hin. Fegt weg den kalten Winter, fegt weg all trüben Sinn!" Farbenfroh gekleidet, mit einem Kopftuch das mit den Tierkreiszeichen bestickt ist, gehört unsere ,,Eckhexe" weitum wohl zu den schönsten Exemplaren der Gattung ,,Hexe".

Als nach dem letzten Krieg wieder etwas Lebensfreude aufkam, sich Hoffnung auf eine bessere Zukunft zeigte, da entstanden in Aulendorf die beiden Fasnetsfiguren ,,Fetzle" und ,,Schnörkele". Sie sind nicht nur Symbole des Frühlings, sondern auch Beweis eines ungebrochenen Lebenswillens unserer Eltern und Großeltern. Unser ,,Fetzle" hat einen Namen mit doppelter Bedeutung. Ein Fetzle ist ein kleiner Fetz, ein äußerst gewitzter Spitzbube. Fetzle heißen aber auch die vielen kleinen, farbigen Stoffstückchen, die auf das Kostüm genäht sind. Das ,,Fetzle" ist also eine echte Fasnetsfigur. Bescheiden von der Aufmachung her, man verwendet Fetzle, Stoffstücke, die keinen Wert mehr haben und Sackleinwand, vom Wesen her ein durchtriebener Spitzbube, dem der Schalk im Nacken sitzt und dem man trotz allem Unfug nicht böse sein."

Also die Geschwister...keine Ahnung, ob dies alle hier vorkommenden Figuren sind. Ich liste sie einfach nochmal auf und hoffe, dass ich da jetzt keinen überlesen habe:

Tschore

Rätsch
Eckhexe

Schnörkele

Mehr kann ich nicht beitragen...

;)

Am faszinierendsten an all dem Text finde ich dabei den historischen Hintergrund und die Entwicklung im Laufe der Zeit. Wirklich sehr interessant!
:cool::D

Grüße
Jorigen
 

Alidona

Schüler der Zwerge
Da zitiere ich mal von der Website der Narrenzunft Aulendorf e.V. (narrenzunftaulendorf.de)...

"Nach dem Ende des letzten Krieges, als wieder etwas Lebensfreude aufkam und Hoffnung auf eine bessere Zukunft keimte entstanden in Aulendorf die beiden Fasnetsfiguren „Fetzle“ und „Schnörkele“.
Das Aulendorfer „Fetzle“ ist ein typischer Schwabe. Ein Fetz ist ein Spitzbube, ein Fetzle die schwäbische Verkleinerung, also ist es nicht mehr so schlimm! Fetzen sind Lumpen, Stoffreste – Fetzle sind kleine Stoffreste die keinen Wert mehr haben und mit solchen ist das Häs aus Sackleinwand geschmückt Dem Fetzle sitzt der Schalk im Nacken und man kann ihm trotz allem Unfug nicht böse sein."

Auch das hier habe ich dazu gefunden (Fasnet in Aulendorf, auf der Website von: aulendorf.de...). Ist wesentlich ausführlicher und erwähnt auch eine Menge anderer Figuren:

"Fasnet in Aulendorf das ist ein örtliches Brauchtum, das seit Generationen in der Bevölkerung tief verwurzelt ist. Rund jede(r) Fünfte unserer erwachsenen Mitbürger/innen ist Mitglied der Narrenzunft und circa jede(r) Sechste besitzt eine Aulendorfer Originalmaske.
Dass die ersten Siedler auf unserer Gemarkung in der Jungsteinzeit schon Fasnet feierten ist unwahrscheinlich. Eher könnte man dies den Römern unterstellen, die während den ersten 2-3 Jahrhunderten unserer Zeitrechnung hier wohnten. Die Römer wurden von den Alemannen verjagt, die später den Franken weichen mussten. Die Welfen waren bei uns begütert. Welf VI verkaufte an Friedrich Barbarossa und Aulendorf (damals noch Alidorf genannt) war staufisch. Mit dem Ende von Konradin war auch dies vorbei. Die Siedlung fiel an das Reich. Das Reich war schwach, der Kaiser weg und kurze Zeit später tauchten in den Urkunden die ,,Domini de Alidorf", die Herren von Aulendorf, der Dorfadel auf. Durch friedliche Weise (Heirat) kamen die Edlen von Königsegg zur Herrschaft über den Ort. Sie wurden 1504 Freiherren, 1629 Grafen und jetzt kommen wir wieder zur Fasnet in Aulendorf, denn 50 Jahre später, 1679, bewilligten die Grafen von Königsegg ihren Lehnsleuten einen narrenfreien Tag.

Sie vergonnten unseren Vorfahren, EIN TAG VOR MITWOCHEN AN FASNACHTEN EIN FASNACHTSSPILL ZU TREIBEN. Dass dieses Spiel gottesfürchtig sein musste und dass mit dem Tod kein Scherz getrieben werden durfte steht auch in diesem Dekret. Das Wichtigste für uns Narren ist aber der Satz, dass geredet und gehandelt werden durfte, ALS SEIN DIE LEHMAN GANZ UNTER SICH IN MATERIA UND GEBREUCH. Die Redefreiheit der Narren war festgehalten und dieses Dekret wird in Aulendorf auch noch heute - nach über 300 Jahren! - befolgt.

Damals wie heute waren ,,Rätschen" (beiderlei Geschlechts!) glücklich, einen Tag zu haben, an dem sie ungestraft all das an den Mann/die Frau bringen konnten, was man das übrige Jahr über besser nicht sagte. Die Grundlagen für die Entwicklung unseres Maskenpaares ,,Tschore" und Rätsch waren gelegt. Unsere Aulendorfer ,,Rätsch" ist ein spitzzüngiges (altes?) Weib, das jahraus jahrein bekannte und geheime Begebenheiten sammelt, in ihrem Buch notiert und an der Fasnet austratscht. Besonders gerne hängt sie natürlich Dinge an die große Glocke, über die der Betroffene am liebsten hätten Gras wachsen lassen.
Eine große Hilfe bei diesem löblichen Tun ist der Begleiter unserer ,,Rätsch", der ,,Tschore". Er sagt seiner ,,Rätsch" noch ein, sollte diese tatsächlich mal was vergessen. Er sagt auch Dinge, die sich nicht mal die "Rätsch" getraut. Schlichtet aber auch treuherzig, wenn seine "Rätsch" zu weit gegangen ist. Eines beherzigen beide: Die Rede ist nur frei, wenn sie nicht verletzt oder beleidigt.

Hierher gehört jetzt auch die Erklärung des Aulendorfer Narrenrufs: "ha, ha, ha, jo was saischt au!" Man braucht sich doch nur vorzustellen, wie "Tschore" oder "Rätsch" eine fast unglaubliche Geschichte erzählen. Der Zuhörer lacht und sagt dann ganz ungläubig "jo was saischt au!"

Im Oberschwäbischen weit verbreitet ist die Narrenfigur der Hexe. Unsere Aulendorfer ,,Eckhexe" hat ihren Namen von der ältesten Wohnstraße, der Eckstraße. Die ,,Eckhexen" haben die Aufgabe, neben dem Winter auch alles Störende, allen Hass, während der Fasnet und möglichst auch darüber hinaus, hinwegzufegen. Der Auftrag, den sie vom Burggrafen bei der Maskenbeschwörung erhalten, lautet ja auch: "Fegt wie die Windsbraut durch die Lüfte, hin und her, her und hin. Fegt weg den kalten Winter, fegt weg all trüben Sinn!" Farbenfroh gekleidet, mit einem Kopftuch das mit den Tierkreiszeichen bestickt ist, gehört unsere ,,Eckhexe" weitum wohl zu den schönsten Exemplaren der Gattung ,,Hexe".

Als nach dem letzten Krieg wieder etwas Lebensfreude aufkam, sich Hoffnung auf eine bessere Zukunft zeigte, da entstanden in Aulendorf die beiden Fasnetsfiguren ,,Fetzle" und ,,Schnörkele". Sie sind nicht nur Symbole des Frühlings, sondern auch Beweis eines ungebrochenen Lebenswillens unserer Eltern und Großeltern. Unser ,,Fetzle" hat einen Namen mit doppelter Bedeutung. Ein Fetzle ist ein kleiner Fetz, ein äußerst gewitzter Spitzbube. Fetzle heißen aber auch die vielen kleinen, farbigen Stoffstückchen, die auf das Kostüm genäht sind. Das ,,Fetzle" ist also eine echte Fasnetsfigur. Bescheiden von der Aufmachung her, man verwendet Fetzle, Stoffstücke, die keinen Wert mehr haben und Sackleinwand, vom Wesen her ein durchtriebener Spitzbube, dem der Schalk im Nacken sitzt und dem man trotz allem Unfug nicht böse sein."

Also die Geschwister...keine Ahnung, ob dies alle hier vorkommenden Figuren sind. Ich liste sie einfach nochmal auf und hoffe, dass ich da jetzt keinen überlesen habe:

Tschore

Rätsch
Eckhexe

Schnörkele

Mehr kann ich nicht beitragen...

;)

Am faszinierendsten an all dem Text finde ich dabei den historischen Hintergrund und die Entwicklung im Laufe der Zeit. Wirklich sehr interessant!
:cool::D

Grüße
Jorigen

Das hast du fein gemacht und absolut richtig. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen. Jeder einigermaßen vernünftige Fasnets-Narr hatte ein anderes Mäschkerle (so nennt man die Kostüme) als fast unerfüllbaren Lebenswunsch. Die meist vertretenen Exemplare sind die Eckhexen, meiner Meinung nach das schönste Hexenkostüm der Schwäbisch-Allemannischen Fasnet.

Damalige Kosten eines kompletten Kostüms: Ca 1500 bis 2000 Deutsche Mark. Alles an den Kostümen war damals handgemacht, wie es heute ist, das weiß ich nicht. War schon lang nicht mehr in meiner Heimatstadt. Die Masken selbst sind vermutlich nach wie vor handgeschnitzt, die "Fetzle" auf dem Kostüm aus derbem Leinen von Hand aufgenäht.

Groß war der Jubel bei meiner Schwester, als unsere Cousine ihr ein gebrauchtes Fetzle schenkte. Aber Jahre später hat sie es verkauft, weil es auch nicht mehr passte. 700 DM hat sie noch dafür bekommen.

Der Text ist übrigens in der Tat klasse. Ich wusste zwar einiges über die Bedeutungen, aber nicht den gesamten historischen Hintergrund von unseren Masken. Auch, dass der Römer schon bei uns war und sogar vertrieben wurde, ist interessant.

So, @Jorigen, du bist dran mit dem nächsten Rätsel. :)
 
Zuletzt bearbeitet:

Jorigen

Erforscher von Wundern
Der Text ist übrigens in der Tat klasse. Ich wusste zwar einiges über die Bedeutungen, aber nicht den gesamten historischen Hintergrund von unseren Masken. Auch, dass der Römer schon bei uns war und sogar vertrieben wurde, ist interessant.

Geschichtliche Hintergründe interessieren mich generell sehr und finde ich immer faszinierend, da spielt es kaum eine Rolle, ob es sich dabei um große Politik oder auch "nur" um kulturelle Eigenarten weltweit geht. Wann immer sich mir die Gelegenheit bietet, versuche ich das aufzusaugen, was machbar ist.

Die meist vertretenen Exemplare sind die Eckhexen, meiner Meinung nach das schönste Hexenkostüm der Schwäbisch-Allemannischen Fasnet.

Die Eckhexen, soweit ich die Kostüme gesehen haben, gefallen mir dort auch am Besten.
:D

Damit zum neuen Rätsel...

...dafür gebe man mir aber bitte ein bissl Zeit. Bis heute zum frühen Abend, bitte. In knapp 5 Minuten sollte mein letzter Termin heute auf der Matte stehen. Und der wird sich erfahrungsgemäß hinziehen...puh!
:oops:;)

Grüße
Jorigen
 

Jorigen

Erforscher von Wundern
So...bevor es bei uns um kurz nach 18 Uhr das warme Abendessen gibt (siehe in der guten Stube unter: Was gibt´s bei euch heute zu futtern?), jetzt also schnell das neue Rätsel. Ich habe mir da was hübsches ausgedacht, was in die Schwierigkeitskategorie "fou !" oder "crazy!" oder auch "verrückt!" gehört. Mal schauen, wie lange es dauert, bis es gelöst wird. Kann ganz schnell gehen, aber auch wirklich lange dauern...
o_O:eek::oops::p

Einleitung:
Es gibt bedeutsame historische Ereignisse, die fast jeder kennt. Es gibt unbedeutende historische Ereignisse, die man trotzdem kennt. Und es gibt durchaus interessante B-Seiten der Geschichte, umrahmt von gewaltigen Ereignissen und Umwälzungen, die aber nicht so bedeutsam sind (scheinen) und heute kaum noch einer kennt. In letztere Kategorie fällt wohl das folgende Rätsel...

Ein Königshaus kriegt Geld
Zwischen dem frühen 19. Jahrhundert bis hinein ins letzte Viertel des 20. Jahrhunderts erhielt der jeweilige schwedische König durch den Staat eine bestimmte jährliche Vergütung, welche Folge eines historischen Ereignises war und im letzten Jahr ihrer Auszahlung 300.000 Kronen betrug
(danach wurde sie durch eine andere Zahlung abgelöst).

Frage: Was hat Guadeloupe damit zu tun?

(Bitte eine möglichst genaue ausführliche Beschreibung inkl. dem Nennen der allgemeingebräuchlichen = umgangssprachlichen Bezeichnung dieser jährlichen Vergütung!)

Viel Spaß beim Lösen dieses neuen Rätsel wünscht...

Jorigen
:D:D:cool:
 
Zuletzt bearbeitet:

Kapilo

Starke Birke
Ist in Wiki leicht zu finden:

In den Napoleonischen Kriegen eroberte Großbritannien Guadeloupe am 4. Februar 1810 und trat es am 3. März 1813 an König Karl XIII. von Schweden und seine Nachkommen als Kompensation für die Eigentumsverluste des Kronprinzen Karl XIV. ab, die er als Verbündeter gegen Napoleon erlitten hatte. Im Frieden von Paris gab Schweden die Insel 1814 gegen Zahlung von 24 Millionen Franc wieder an Frankreich zurück. Mit dem Geld wurden 1815 die Staatsschulden zurückgezahlt, und der König erhielt dafür eine jährliche Geldrente. Diese sogenannte Guadeloupe-Rente wurde bis 1983 im schwedischen Staatshaushalt veranschlagt und danach durch Erhöhung des Haushalts für die königliche Hofhaltung abgelöst. Zu dieser Zeit betrug sie 300.000 Kronen.
 

Jorigen

Erforscher von Wundern
Ist in Wiki leicht zu finden:

In den Napoleonischen Kriegen eroberte Großbritannien Guadeloupe am 4. Februar 1810 und trat es am 3. März 1813 an König Karl XIII. von Schweden und seine Nachkommen als Kompensation für die Eigentumsverluste des Kronprinzen Karl XIV. ab, die er als Verbündeter gegen Napoleon erlitten hatte. Im Frieden von Paris gab Schweden die Insel 1814 gegen Zahlung von 24 Millionen Franc wieder an Frankreich zurück. Mit dem Geld wurden 1815 die Staatsschulden zurückgezahlt, und der König erhielt dafür eine jährliche Geldrente. Diese sogenannte Guadeloupe-Rente wurde bis 1983 im schwedischen Staatshaushalt veranschlagt und danach durch Erhöhung des Haushalts für die königliche Hofhaltung abgelöst. Zu dieser Zeit betrug sie 300.000 Kronen.

Klar, absolut korrekt

Aber ich muss bei meinen Fragestellungen offenkundig mehr wikipedia mit berücksichtigen. Damit es nicht zu easy wird...
:oops::rolleyes:

Also dann @Kapilo ....
;)
 

Kapilo

Starke Birke
Wer bin ich:

Ich wurde im 20. Jahrhundert geboren und starb inzwischen im Alter von stolzen 90 Jahren.
Ein paar weitere Daten aus meinem Leben:
  • Ich war mal "sexiest man alive"
  • Laut Steven Spielberg gehöre ich zu den fünf besten Schauspieler der Welt
  • In meiner Jungend verdiente ich mir etwas Geld als (Akt-)Modell im Edinburgh College of Art
  • Ich war zweimal verheiratet und habe einen Sohn, der ebenfalls als Schauspieler tätig ist
  • Einen Oscar habe ich auch bekommen allerdings einen als "Bester Nebendarsteller"
 

Alidona

Schüler der Zwerge
Wer bin ich:

Ich wurde im 20. Jahrhundert geboren und starb inzwischen im Alter von stolzen 90 Jahren.
Ein paar weitere Daten aus meinem Leben:
  • Ich war mal "sexiest man alive"
  • Laut Steven Spielberg gehöre ich zu den fünf besten Schauspieler der Welt
  • In meiner Jungend verdiente ich mir etwas Geld als (Akt-)Modell im Edinburgh College of Art
  • Ich war zweimal verheiratet und habe einen Sohn, der ebenfalls als Schauspieler tätig ist
  • Einen Oscar habe ich auch bekommen allerdings einen als "Bester Nebendarsteller"

Sean Connery. Sein Sohn dürfte Jason Connery sein. :rolleyes:
 
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